Bauen | von der Idee bis zur Ausführung Vollständiger Leitfaden zu den HOAI Leistungsphasen 1–9

Bauen – von der Idee bis zur Ausführung Vollständiger Leitfaden zu den HOAI Leistungsphasen 1–9

Die Planung eines Bauprojekts in Deutschland folgt einem strukturierten, gesetzlich geregelten Ablauf. Grundlage dafür ist die HOAI (Honorarordnung für Architekten und Ingenieure), welche die Aufgaben, Verantwortlichkeiten und die einzelnen Leistungsphasen eines Architekten präzise definiert. Die HOAI gliedert den gesamten Planungs- und Bauprozess in neun Leistungsphasen (LP 1–9), die gemeinsam sicherstellen, dass ein Bauvorhaben technisch, funktional, wirtschaftlich und rechtlich korrekt umgesetzt wird.

Diese Leistungsphasen bilden einen durchgängigen Prozess – von der ersten Idee über die Genehmigungsplanung bis hin zur Bauüberwachung und der abschließenden Dokumentation. Für Bauherren ist es entscheidend, diesen Ablauf zu verstehen, um realistische Erwartungen bezüglich Kosten, Zeitplan und Verantwortlichkeiten entwickeln zu können.

Ein wesentlicher Vorteil des HOAI-Systems besteht darin, dass es bundesweit einheitlich ist. Unabhängig davon, ob ein Einfamilienhaus, ein Mehrfamilienhaus, eine Sanierung im Bestand oder ein gewerbliches Gebäude geplant wird – die grundlegenden Schritte sind vergleichbar. Gleichzeitig schaffen die klar definierten Leistungsphasen Transparenz: Bauherren wissen genau, welche Leistungen in welcher Phase erbracht werden und welchen Mehrwert sie bieten.

In diesem Leitfaden werden alle neun HOAI-Leistungsphasen verständlich, strukturiert erläutert. Ergänzend werden externe Quellen und offizielle Regelwerke verlinkt, damit Leserinnen und Leser sich vertieft informieren können:

Ziel dieses Artikels ist es, Bauherren sowie Interessierten einen fundierten, praxisorientierten Überblick zu geben, damit sie den gesamten Prozess – von der ersten Idee bis zur baulichen Umsetzung – klar nachvollziehen können.


Leistungsphase 1 – Grundlagenermittlung: Der strategische Start jedes Bauprojekts

Die erste Leistungsphase der HOAI bildet das Fundament eines erfolgreichen Bauvorhabens. In dieser Phase wird noch nicht konstruiert oder gezeichnet – stattdessen werden die Rahmenbedingungen, Ziele und Möglichkeiten des Projekts systematisch erfasst. Die Qualität dieser Phase entscheidet maßgeblich darüber, wie effizient, realistisch und wirtschaftlich die späteren Schritte durchgeführt werden können.

Ziele der Grundlagenermittlung

In LP 1 klärt der Architekt gemeinsam mit dem Bauherrn alle wesentlichen Ausgangsfragen, unter anderem:

  • Welche Projektziele bestehen?
    (Neubau, Umbau, Erweiterung, Modernisierung, Nutzungsänderung)
  • Welche funktionalen Anforderungen sind relevant?
    Anzahl der Räume, Nutzungsarten, technische Standards, gewünschte Energieeffizienz
  • Wie hoch ist das Budget?
    Erste Kosteneinschätzung und wirtschaftliche Machbarkeit
  • Wie sieht der zeitliche Rahmen aus?
    Von der Planung bis zur voraussichtlichen Fertigstellung
  • Welche rechtlichen Rahmenbedingungen gelten?
    Bebauungsplan, BauGB, Landesbauordnung, Nachbarrechte

Diese Klärung schafft eine verlässliche Grundlage für die folgenden Leistungsphasen und verhindert spätere Missverständnisse oder Planungsfehler.

Analyse der Grundstücks- und Rahmenbedingungen

Ein zentraler Bestandteil der LP 1 ist die Bewertung des Grundstücks bzw. des Bestandsgebäudes. Dazu gehören:

  • Lage & städtebauliche Einordnung
  • Grundstücksgröße, Zuschnitt, Höhenentwicklung
  • Zuwegungen, Erschließung, Anschlussmöglichkeiten
  • Analyse von Lärm, Licht, Bodenbeschaffenheit
  • Prüfung öffentlich-rechtlicher Vorgaben (Bebauungsplan, §34 BauGB)

Insbesondere der Bebauungsplan (B-Plan) definiert, was baulich zulässig ist. Eine fundierte Analyse in dieser Phase verhindert Planungsfehler und ermöglicht realistische Erwartungshorizonte.

Ergebnisse der LP 1

Am Ende dieser Phase erhält der Bauherr:

  • eine präzise Aufgabenstellung
  • eine fundierte Machbarkeitsanalyse
  • eine erste Kosteneinschätzung
  • eine Empfehlung für das weitere Vorgehen

Nur bei einer sorgfältig abgeschlossenen Grundlagenermittlung kann die Entwurfsplanung in LP 2 effizient und zielgerichtet beginnen.


Leistungsphase 2 – Vorplanung: Die Grundlage für einen tragfähigen Entwurf

In der Vorplanung entwickelt der Architekt erste architektonische Konzepte und überprüft, ob die in LP 1 definierten Ziele technisch, rechtlich und wirtschaftlich realisierbar sind. Diese Phase bildet die Brücke zwischen Ideenfindung und konkreter Entwurfsarbeit und hat entscheidenden Einfluss auf Qualität, Kosten und Genehmigungsfähigkeit des gesamten Projekts.

Inhalte und Ziele der Vorplanung

In LP 2 beginnt die planerische Vertiefung. Typische Bestandteile sind:

  • Erste Entwurfskonzepte in Form von Skizzen, Grobgrundrissen und Volumenstudien
  • Variantenanalyse: verschiedene Lösungsansätze für Raumaufteilung oder Baukörper
  • Prüfung der Genehmigungsfähigkeit nach Bebauungsplan oder §34 BauGB
  • Abstimmung technischer Grundlagen (Tragwerk, Haustechnik, Brandschutz)
  • Ermittlung der groben Baukosten auf Basis der DIN 276

Diese Phase hilft Bauherren, frühzeitig zu erkennen, welche Lösungen funktional, gestalterisch und wirtschaftlich vorteilhaft sind.

Erstellen eines Planungskonzepts

Das Ergebnis der Vorplanung ist ein strukturiertes Planungskonzept, das eine fundierte Entscheidungsbasis schafft. Es enthält unter anderem:

  • Vorentwurfszeichnungen (Grundrisse, Schnitte, Ansichten)
  • Eine erste Baubeschreibung
  • Eine Grobkostenschätzung gemäß DIN 276
  • Empfehlungen zu Materialien und Konstruktionen
  • Bewertung möglicher Risiken (Statik, Bodenverhältnisse, Baurecht)

Die Vorplanung dient als strategisches Werkzeug und verhindert Fehleinschätzungen, die in späteren Projektphasen zu erheblichen Mehrkosten führen können.

Besprechung mit dem Bauherrn & Vorbereitung der Entscheidungsfindung

Am Ende der Leistungsphase 2 erhält der Bauherr alle relevanten Unterlagen, um eine fundierte Entscheidung darüber treffen zu können, wie das Projekt weitergeführt werden soll. Typische Fragen in dieser Phase sind:

  • Welche Entwurfsvariante soll weiterverfolgt werden?
  • Entspricht das Konzept Budget, Terminplan und Nutzungsanforderungen?
  • Sind Anpassungen erforderlich, bevor die Entwurfsplanung beginnt?

Erst nach Freigabe der Vorplanung beginnt die eigentliche Entwurfsplanung in Leistungsphase 3, in der der endgültige Architekturentwurf entsteht.


Leistungsphase 3 – Entwurfsplanung: Aus Ideen wird ein konkreter, genehmigungsfähiger Entwurf

In der Entwurfsplanung (LP 3) nimmt das Projekt erstmals eine klare architektonische Gestalt an. Während die Leistungsphasen 1 und 2 der Sammlung von Anforderungen und dem Entwickeln erster Varianten dienen, entsteht in LP 3 der ausgereifte Entwurf, der die Grundlage für die spätere Genehmigungsplanung (LP 4) bildet.

Ziele der Entwurfsplanung

Die Entwurfsplanung verfolgt mehrere zentrale Ziele:

  • Entwicklung eines abgestimmten, funktionalen Architekturkonzepts
  • Detaillierte Grundrisse, Schnitte und Ansichten
  • Integration und Koordination aller Fachdisziplinen (Statik, Haustechnik, Brandschutz)
  • Präzisierung von Materialien, Fassadenkonzept und Gestaltung
  • Ermittlung der Kosten nach DIN 276 (Kostenberechnung)

Während die Vorplanung lediglich eine grobe Ausrichtung bietet, schafft die Entwurfsplanung ein vollständig durchdachtes, technisch und gestalterisch abgestimmtes Gebäudemodell.

Was entsteht in LP 3 konkret?

Die typischen Arbeitsergebnisse dieser Phase umfassen:

  • Ausführliche Entwurfszeichnungen im Maßstab 1:100
  • Verbindliche Raum- und Funktionsprogramme
  • Abgestimmte Tragwerks- und Haustechnikkonzepte
  • Festlegung von Baustoffen, Materialien und Fassadenstrukturen
  • Überlegungen zu Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und GEG-Konformität
  • Erste 3D-Modelle oder Visualisierungen zur besseren räumlichen Vorstellung

Viele Architekturbüros arbeiten heute mit BIM-Methoden, um Schnittstellen zu optimieren und Planungsfehler frühzeitig sichtbar zu machen.

Kostenberechnung nach DIN 276

In dieser Phase wird erstmals eine verbindliche Kostenberechnung erstellt. Sie dient dazu:

  • die Budgetvorgaben des Bauherrn abzugleichen
  • wirtschaftliche Risiken frühzeitig zu erkennen
  • verschiedene Planungsvarianten hinsichtlich Kosten und Nutzen zu vergleichen

Eine präzise Kostenberechnung in LP 3 verhindert spätere Baukostensteigerungen und schafft finanzielle Planungssicherheit.

Abstimmung mit dem Bauherrn

LP 3 endet mit einer umfassenden Entwurfspräsentation. Der Bauherr erhält:

  • vollständige Entwurfsunterlagen
  • eine Kostenberechnung nach DIN 276
  • Visualisierungen oder Modellansichten
  • eine Empfehlung für die nächsten Schritte

Nach der schriftlichen Freigabe des Entwurfs beginnt die Leistungsphase 4 – die Genehmigungsplanung. In dieser Phase wird geprüft, ob der Entwurf baurechtlich zulässig ist und alle Anforderungen der Behörde erfüllt.


Baugenehmigung in Hamburg – Bauunterlagen, Grundriss und Formular auf Baustelle | Navid Architekt

Leistungsphase 4 – Genehmigungsplanung: Der Weg zur rechtsgültigen Baugenehmigung

Mit der Genehmigungsplanung (LP 4) tritt das Projekt in eine rechtlich entscheidende Phase ein. Während die Entwurfsplanung (LP 3) den architektonisch und funktional abgestimmten Entwurf liefert, stellt LP 4 sicher, dass dieser Entwurf behördlich genehmigungsfähig wird. Ohne eine formal korrekte Genehmigungsplanung kann in Deutschland kein Bauvorhaben umgesetzt werden.

Zentrale Aufgaben in LP 4

Die Genehmigungsplanung umfasst folgende wesentliche Leistungen:

  • Erstellung der vollständigen Bauantragsunterlagen gemäß Bauvorlagenverordnung (BauVorlV)
  • Einreichen aller prüffähigen Zeichnungen (Grundrisse, Schnitte, Ansichten, Lageplan)
  • Abstimmung mit dem zuständigen Bauamt und Klärung offener Fragen
  • Koordination aller erforderlichen Fachnachweise, einschließlich:
    • Brandschutznachweis
    • Wärmeschutznachweis nach GEG
    • Statische Vorbemessung
    • Schallschutznachweis
  • Ausfüllen und Zusammenstellen sämtlicher Formulare für den Bauantrag

Warum ist LP 4 so wichtig?

Die Genehmigungsplanung ist die Phase, in der technische, rechtliche und formale Anforderungen zusammengeführt werden. Jede Ungenauigkeit oder unvollständige Unterlage kann zu:

  • langen Bearbeitungsverzögerungen
  • zusätzlichen Kosten
  • Nachforderungen der Behörde
  • im schlimmsten Fall zur Ablehnung des Bauantrags

Mit zunehmender Komplexität im Baurecht (Barrierefreiheit, Energiegesetz GEG, Brandschutz, Schallschutz) steigt die Bedeutung eines sorgfältig erarbeiteten Genehmigungsentwurfs erheblich.

Genehmigungsstrategien je nach Projektart

Architekten wählen je nach Bauvorhaben die passende Genehmigungsstrategie:

  • Bauantrag nach Bebauungsplan (B-Plan) – klare Vorgaben, einfache Prüfung
  • Genehmigung nach §34 BauGB – wenn kein B-Plan existiert; Einfügen in die Umgebung
  • Bauvoranfrage / Vorbescheid – wenn rechtliche Unsicherheiten bestehen
  • Freistellungsverfahren – in einigen Bundesländern möglich, wenn der B-Plan eindeutig ist (Hinweis: Hamburg nutzt überwiegend reguläre Genehmigungsverfahren.)

Der Architekt stellt sicher, dass alle Unterlagen vollständig, schlüssig und prüffähig sind — ein zentraler Faktor für eine zügige Genehmigung.

Ergebnis der Leistungsphase 4

Am Ende dieser Phase erhält der Bauherr:

  • einen vollständig ausgearbeiteten, prüffähigen Bauantrag
  • inklusive aller gesetzlich geforderten Nachweise
  • der offiziell beim zuständigen Bauamt eingereicht wurde

Mit der Einreichung beginnt die behördliche Prüfphase. Währenddessen bleibt der Architekt der zentrale Ansprechpartner für Rückfragen der Behörde.


Leistungsphase 5 – Ausführungsplanung: Die technische Grundlage für eine fehlerfreie Bauausführung

Die Ausführungsplanung (LP 5) ist die detaillierteste und arbeitsintensivste Phase innerhalb der HOAI-Struktur. Sie bildet die technische Basis für die spätere Bauausführung und entscheidet maßgeblich darüber, ob ein Projekt wirtschaftlich, terminlich und qualitativ erfolgreich umgesetzt wird. Während die vorherigen Phasen das „Was“ und „Warum“ definieren, beantwortet die Ausführungsplanung das zentrale „Wie genau?“.

Was entsteht in der Ausführungsplanung?

In LP 5 werden sämtliche konstruktiven, technischen und gestalterischen Details vollständig ausgearbeitet. Typische Bestandteile dieser Phase sind:

  • Detaillierte Konstruktionszeichnungen (Maßstäbe 1:50, 1:20, 1:10 oder 1:5)
  • Schnitt- und Detailzeichnungen für Dach, Fassade, Fenster, Abdichtungen, Bauteilanschlüsse
  • Definition aller Materialien und deren technische Eigenschaften
  • Integration der Fachplanung (TGA, Statik, Brandschutz)
  • Koordination der Gewerke und Schnittstellenplanung

Der Entwurf aus LP 3 wird in dieser Phase vollständig in konkrete, ausführungsfähige Pläne überführt, die den Bauunternehmen exakt vorgeben, wie jedes Bauteil zu konstruieren ist.

Warum ist LP 5 so entscheidend?

Fehler oder Unklarheiten in der Ausführungsplanung gehören bundesweit zu den häufigsten Ursachen für:

  • Bauverzögerungen
  • zusätzliche Kosten und Nachträge
  • technische Mängel am Gebäude
  • Konflikte zwischen Gewerken und Planungsbeteiligten

Eine sorgfältige, vollständige und gewerkeübergreifend abgestimmte Ausführungsplanung reduziert diese Risiken erheblich. Aus diesem Grund gilt LP 5 als jene Phase, in der sich die Qualität eines Architekturbüros am deutlichsten zeigt.

👉 Hintergrundinformationen zur Bedeutung der Ausführungsplanung (BMWSB): https://www.bmwsb.bund.de

BIM und moderne Planungstools

Viele zeitgemäße Architekturbüros – darunter auch das Navid Architekt Studio – arbeiten in LP 5 mit digitalen Werkzeugen, die Planungssicherheit deutlich erhöhen:

  • BIM-Modelle (Building Information Modeling)
  • digitale Kollisionsprüfungen zwischen Gewerken
  • 3D-Detailmodelle
  • präzise Mengenermittlungen

Diese Werkzeuge ermöglichen eine besonders verlässliche Abstimmung zwischen Architektur, Tragwerksplanung und Haustechnik und verhindern spätere Überraschungen auf der Baustelle.

Ergebnis der LP 5

Am Ende der Ausführungsplanung erhält der Bauherr eine komplette technische Grundlage für die Umsetzung des Gebäudes. Dazu gehören:

  • umfangreiche und prüffähige Detailpläne
  • exakte Material- und Bauteillisten
  • vollständig abgestimmte Fachplanungsunterlagen
  • eine solide Basis für die Ausschreibung, Kostenkontrolle und Bauausführung

Mit LP 5 endet die planerische Vorbereitung — ab hier beginnt die Leistungsphase 6, in der die Ausschreibung und Vorbereitung der Vergabe erfolgt.


Leistungsphase 6 – Vorbereitung der Vergabe: Grundlage für transparente Kosten & zuverlässige Angebote

Nachdem die Ausführungsplanung abgeschlossen ist, beginnt eine Phase, die für die wirtschaftliche Steuerung eines Bauprojekts entscheidend ist: die Vorbereitung der Vergabe. In dieser HOAI-Leistungsphase werden alle Leistungen, die später von Bauunternehmen ausgeführt werden sollen, präzise beschrieben und ausgeschrieben. Das Ziel ist klar: vergleichbare, vollständige und transparente Angebote – frei von Interpretationsspielräumen oder versteckten Zusatzkosten.

Was passiert in Leistungsphase 6 konkret?

Der Architekt erstellt in LP 6 alle Unterlagen, die für eine professionelle Ausschreibung notwendig sind, darunter:

  • Leistungsverzeichnisse (LV) für jedes einzelne Gewerk
  • Mengenermittlungen basierend auf der Ausführungsplanung
  • Beschreibung technischer Standards und Materialien
  • Abstimmung mit Fachplanern (Elektro, Heizung, Lüftung, Statik, Brandschutz)
  • Vollständige Ausschreibungsunterlagen zur Weitergabe an geeignete Bauunternehmen

Jedes Leistungsverzeichnis legt eindeutig fest:

  • welchen Leistungsumfang ein Gewerk erbringen muss,
  • welche Materialien verbindlich einzusetzen sind,
  • wie die technische Ausführung erfolgen soll,
  • welche Normen und Vorschriften einzuhalten sind.

Durch diese klare Struktur lassen sich Angebote verschiedener Firmen objektiv und fair miteinander vergleichen.

Warum ist LP 6 so wichtig für die Kostenkontrolle?

Ein Großteil späterer Kostenrisiken entsteht nicht während der Bauphase, sondern bereits in der Ausschreibung. Unklare Formulierungen führen dazu, dass Firmen Positionen unterschiedlich interpretieren – mit der Folge unerwarteter Nachträge.

Eine saubere LP 6 verhindert genau diese Risiken.

Merksatz: Eine präzise Ausschreibung spart im Durchschnitt 5–10 % der Gesamtkosten ein – allein durch Klarheit und Vergleichbarkeit.

Ergebnis der LP 6

Am Ende der Leistungsphase 6 erhält der Bauherr:

  • vollständige und prüffähige Ausschreibungsunterlagen
  • nachvollziehbare Mengen- und Kostengrundlagen
  • eine strukturierte Basis für den Angebotsvergleich in LP 7

Das Navid Architekt Studio sorgt dafür, dass Ausschreibungen klar, vollständig und technisch widerspruchsfrei sind – ein entscheidender Vorteil für den weiteren Projektverlauf und die spätere Kosten- und Terminplanung.


Leistungsphase 7 – Mitwirkung bei der Vergabe: Auswahl der richtigen Bauunternehmen & Kostensicherheit

Die Vergabephase (LP 7) ist der Moment, in dem aus Planung Realität wird. Hier entscheidet sich, welche Bauunternehmen den Auftrag erhalten, zu welchen Konditionen und unter welchen vertraglichen Rahmenbedingungen. Ein professionell durchgeführter Vergabeprozess verhindert Fehlentscheidungen, minimiert Kostenrisiken und schafft Transparenz – sowohl technisch als auch wirtschaftlich.

Während viele Bauherren annehmen, dass in dieser Phase lediglich das günstigste Angebot gewählt wird, liegt der eigentliche Schwerpunkt auf Qualität, Vergleichbarkeit und Risikominimierung. Genau hier kommt die Expertise eines erfahrenen Architekten ins Spiel.

Was macht der Architekt in Leistungsphase 7?

1. Einholen & Prüfen der Angebote

Nachdem die Ausschreibungsunterlagen aus Leistungsphase 6 an geeignete Firmen versendet wurden, gehen die Angebote ein. Der Architekt übernimmt die vollständige technische und wirtschaftliche Prüfung. Dazu gehören:

  • Kontrolle der Vollständigkeit aller Angebotspositionen
  • Überprüfung der technischen Richtigkeit
  • Abgleich mit den Leistungsverzeichnissen (LV)
  • Erkennen unrealistischer oder unausgewogener Preise
  • Bewertung möglicher Nachtragsrisiken

Dieser Schritt stellt sicher, dass keine offenen Positionen oder Fehlinterpretationen in spätere Bauverträge rutschen.

2. Preisspiegel & Angebotsvergleich

Alle eingegangenen Angebote werden durch den Architekten in einem Preisspiegel zusammengeführt. Dieser macht die Angebote für den Bauherrn transparent und vergleichbar. Er zeigt klar:

  • welches Angebot wirtschaftlich sinnvoll ist
  • welche Firmen die technischen Anforderungen am besten erfüllen
  • welche Leistungen fehlen oder unklar beschrieben sind
  • wo Preisrisiken und mögliche Nachträge verborgen sind

Der Preisspiegel ist ein essenzielles Instrument der Kostensteuerung und ein zentrales Element der HOAI-Leistungsphase 7.

3. Vergabegespräche, technische Klärung & Empfehlung

Gemeinsam mit dem Bauherrn führt der Architekt Vergabegespräche mit den Firmen, klärt technische Fragen, bespricht Schnittstellen und verhandelt Preise. Diese Gespräche dienen dazu, Unklarheiten zu beseitigen und die Vertragsgrundlage eindeutig zu definieren.

Am Ende spricht der Architekt eine aus, die sich auf Wirtschaftlichkeit, technische Qualität und Risikoabwägung stützt.

Warum ist LP 7 so entscheidend?

Mehr als 50 % aller Konflikte während der Bauphase entstehen durch:

  • unklare Verträge oder Leistungsbeschreibungen
  • nicht vergleichbare Angebote
  • technisch falsch interpretierte LV-Positionen
  • unrealistische Einheitspreise

Mit der professionellen Unterstützung eines Architekten lassen sich diese Risiken nahezu vollständig vermeiden. Dr. Navid Naeimi stellt sicher, dass die Vergabe strukturiert, transparent und rechtskonform erfolgt.

Ergebnis der Leistungsphase 7

Am Ende dieser Phase erhält der Bauherr:

  • einen vollständigen, verständlichen Preisspiegel
  • eine klare Vergabeempfehlung
  • Sicherheit über Kosten, Qualität und Vertragsinhalte
  • optimal ausgewählte Bauunternehmen für jedes Gewerk

Mit LP 7 endet die wirtschaftliche Vorbereitung des Projekts – und der Weg ist frei für die Bauüberwachung in LP 8.


Visualisierung der HOAI Leistungsphasen von der ersten Idee über das 3D-Modell und den Bau bis zum fertigen Gebäude – Navid Architekt Studio

Leistungsphase 8 – Bauüberwachung (Objektüberwachung): Sicherstellung von Qualität, Kosten & Terminen

Die Leistungsphase 8 gehört zu den intensivsten und verantwortungsvollsten Phasen der HOAI. Während in den vorherigen Leistungsphasen geplant, koordiniert und ausgeschrieben wurde, beginnt hier die tatsächliche Bauausführung – und damit die operative Steuerung des gesamten Projekts. Der Architekt übernimmt die Aufgabe der Objektüberwachung und stellt sicher, dass alle Bauleistungen fachgerecht, mängelfrei, termingerecht und innerhalb des definierten Budgets umgesetzt werden.

Gerade in Deutschland – mit strengen DIN-Normen, technischen Vorschriften und hohen Qualitätsansprüchen – ist diese Phase unverzichtbar. Fehler, die während der Bauausführung entstehen, gehören zu den teuersten Risiken eines Bauprojekts.

Was umfasst die Bauüberwachung konkret?

1. Überwachung der Bauausführung vor Ort

Der Architekt kontrolliert regelmäßig die Qualität und technische Ausführung auf der Baustelle. Dazu gehören:

  • Überprüfung der handwerklichen Qualität
  • Einhaltung der technischen Regeln und DIN-Normen
  • Kontrolle der Übereinstimmung mit Plänen und Leistungsverzeichnissen
  • Verwendung der spezifizierten Materialien
  • Kontrolle kritischer Details wie Abdichtungen, Anschlüsse, Brandschutz & Tragwerksrelevanz

Fehler in dieser Phase führen oft zu schwerwiegenden Bauschäden und hohen Sanierungskosten – weshalb die laufende Qualitätsüberwachung entscheidend ist.

2. Koordination der Gewerke

Die Baustelle besteht aus zahlreichen parallel arbeitenden Fachgewerken, darunter:

  • Rohbau
  • Ausbaugewerke
  • Elektro-, Heizungs- und Lüftungstechnik (TGA)
  • Brandschutzfachplanung
  • Statik & Tragwerksplanung

Der Architekt koordiniert die Schnittstellen dieser Gewerke, löst Konflikte frühzeitig und stellt sicher, dass Arbeitsschritte in der richtigen Reihenfolge und ohne gegenseitige Behinderungen ausgeführt werden.

3. Termin- & Kostenkontrolle

Die Objektüberwachung umfasst auch die wirtschaftliche Steuerung. Der Architekt:

  • prüft eingehende Rechnungen der Bauunternehmen
  • bestätigt Leistungsstände (Baufortschritt)
  • überwacht den Bauzeitenplan
  • erkennt mögliche Verzögerungen frühzeitig und reagiert mit Gegenmaßnahmen

So bleibt das Projekt im vereinbarten Zeit- und Kostenrahmen.

4. Dokumentation & Qualitätsmanagement

Während der Bauphase dokumentiert der Architekt alle relevanten Vorgänge – ein entscheidender Schritt für spätere Gewährleistung und Transparenz:

  • Bautagebücher
  • Mängelberichte & Anweisungen
  • Fotodokumentationen
  • Abnahmeprotokolle
  • Koordination von Nachbesserungen

Diese Dokumente sind wertvoll für Versicherungen, rechtliche Absicherungen und die spätere Nutzung der Immobilie.

Ergebnis der Leistungsphase 8

Für den Bauherrn bedeutet LP 8:

  • maximale Qualitätssicherheit während der Bauausführung
  • transparente und kontrollierte Kostenentwicklung
  • Schutz vor Baumängeln und späteren Reparaturkosten
  • eine fachlich geprüfte Umsetzung aller technischen und gestalterischen Vorgaben

Ein erfahrener Architekt – wie Dr. Navid Naeimi – stellt sicher, dass die Vision aus Planung und Entwurf auf der Baustelle exakt und hochwertig umgesetzt wird.


Leistungsphase 9 – Objektbetreuung & Dokumentation: Die nachhaltige Sicherung Ihres Bauwerks

Die Leistungsphase 9 bildet den Abschluss des HOAI-Prozesses und beginnt nach der Fertigstellung des Gebäudes. Auch wenn die Bauarbeiten abgeschlossen sind, endet die Verantwortung des Architekten nicht. In dieser Phase geht es darum, die langfristige Qualität des Bauwerks sicherzustellen, mögliche Mängel frühzeitig zu erkennen und eine vollständige Projektdokumentation zu übergeben.

In Deutschland spielen Dokumentationspflichten, technische Nachweise, Wartungsanforderungen und Gewährleistungsfristen eine zentrale Rolle. Die LP 9 gewährleistet daher nicht nur Rechtssicherheit, sondern auch den langfristigen Werterhalt der Immobilie.

Was umfasst die Objektbetreuung?

1. Überwachung der Gewährleistungsfristen

Der Architekt unterstützt den Bauherrn während der gesamten Gewährleistungszeit. Dazu gehören:

  • Regelmäßige Objektbegehungen nach Fertigstellung
  • Dokumentation von Mängeln oder Funktionsstörungen
  • Koordination notwendiger Nachbesserungen durch die ausführenden Firmen
  • Begleitung des Bauherrn bei der Durchsetzung von Gewährleistungsansprüchen

Die gesetzliche Gewährleistungsfrist nach BGB beträgt üblicherweise fünf Jahre – eine Zeitspanne, in der verdeckte Mängel häufig sichtbar werden.

2. Dokumentationsunterlagen

Am Ende des Projekts erhält der Bauherr eine vollständige Baudokumentation, darunter:

  • Revisions- und Bestandspläne
  • technische Dokumentationen und Bedienungsanleitungen
  • Wartungs- und Pflegehinweise
  • Garantien, Prüfprotokolle und Nachweise
  • sämtliche Unterlagen zur späteren Instandhaltung oder Modernisierung

Diese Dokumente sind essenziell für Wartung, Umnutzung, spätere Sanierungen oder Versicherungsnachweise.

3. Monitoring der Gebäudeperformance

Bei energieeffizienten oder technisch anspruchsvollen Gebäuden überprüft der Architekt in den ersten Betriebsjahren:

  • ob die technischen Anlagen wie geplant funktionieren
  • ob der Energieverbrauch den Prognosen entspricht
  • ob Optimierungen oder Nachjustierungen notwendig sind

So wird sichergestellt, dass das Gebäude nicht nur fertiggestellt, sondern auch wirtschaftlich und nachhaltig betrieben wird.

Ergebnis der LP 9

Für den Bauherrn bietet die Objektbetreuung:

  • höchste Sicherheit nach Abschluss der Bauarbeiten
  • Schutz vor Verlust von Gewährleistungsansprüchen
  • vollständige technische Dokumentation für die Zukunft
  • langfristigen Werterhalt des Gebäudes

Architekten wie Dr. Navid Naeimi begleiten Projekte auch nach der Fertigstellung – damit das Bauwerk nicht nur gebaut, sondern über viele Jahre erfolgreich und zuverlässig betrieben werden kann.


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Ein erfolgreiches Bauprojekt beginnt nicht erst auf der Baustelle – sondern mit einer strukturierten, professionellen Planung nach HOAI. Wenn Sie ein Neubau-, Umbau- oder Sanierungsprojekt planen, profitieren Sie von einem klaren Prozess, realistischen Kosten, transparenten Leistungen und einer zuverlässigen Umsetzung.

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FAQ – Häufige Fragen zu den HOAI Leistungsphasen

1. Warum sind die HOAI Leistungsphasen wichtig?

Sie strukturieren den gesamten Planungs- und Bauprozess in Deutschland und geben Bauherren Klarheit über Leistungen, Kosten und Verantwortlichkeiten.

2. Welche Leistungsphase ist die wichtigste?

Alle Phasen bauen aufeinander auf, aber LP 3 (Entwurfsplanung) und LP 8 (Bauüberwachung) haben den größten Einfluss auf Kosten, Qualität und Termine.

3. Kann ich einzelne Leistungsphasen überspringen?

Nein – besonders LP 1–4 sind gesetzlich und technisch notwendig. Eine Ausführung ohne vollständige Planung führt fast immer zu Kostensteigerungen und Baufehlern.

4. Wie werden die Architektenkosten berechnet?

Die Honorare richten sich nach der HOAI und basieren auf Baukosten, Projektart und Leistungsumfang. Die vollständige Berechnungsgrundlage ist öffentlich einsehbar (siehe Quellen unten).

5. Benötigt jeder Bauherr alle neun Leistungsphasen?

Nicht zwingend. Viele private Bauherren beauftragen LP 1–4 (Planung & Genehmigung) und LP 8 (Bauüberwachung). Bei komplexen Projekten ist LP 5–7 ebenfalls unverzichtbar.


Quellen & Weiterführende Literatur

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